Die englischen Missionen im Lande werden von vielen deutschen Kolonisten als feindliche Kräfte empfunden, die gegen die deutsche Kolonialherrschaft hetzen. Ohne Zweifel wirken viele der englischen Missionare in Deutsch Ostafrika in dieser Richtung. Aber auch die deutschen Missionen werden von vielen Deutschen nicht sonderlich geschätzt wegen ihrer moralischen Unterstützung der Eingeborenen gegen die Verwaltung. Für die Eingeborenen sind die verschiedenen christ-lichen Missionen, die sich im Kampf um die Seelen der Schwarzen auch gegenseitig bekämpfen, eine schwer zu durchschauende Angelegenheit. Am ehesten sind sie für sie vergleichbar mit ihren Geheimbünden, die die schwarze Gesellschaft durchziehen. Die unafrikani-schen Bibelgeschichten um den Mann, den man an einem Holzkreuz angenagelt hat, versteht eh kaum jemand. Wenn möglich versuchen die Gewitzten soviel wie möglich aus den Missionaren herauszuholen. Ein Mohammedaner, Boy eines Deutschen, erzählt seinem Herrn auf Suaheli: „Du sagst bloß Halleluja, Amen! Und schon hast du einen neuen Rock!“ Und so läßt sich dieser Mohammedaner von allen Missionaren taufen, die ihm dafür Kleidungsstücke schenken.
Ganz besonders unverständlich ist dem Schwarzen das fanatische Predigen der Missionare gegen die Vielehe. Eine Selbstverständlichkeit in der schwarzen Gesell-schaft, die auch viele Frauen wirtschaftlich in der Ge-meinschaft absichert. Dieses christliche Dogma ist wohl ein Hauptgrund für die Verbreitung des Islam in Ge-genden mit christlicher Missionierung. Bei den Mo-hammedanern ist Vielweiberei erlaubt und entspricht so der schwarzen Gesellschaftsform. Dazu ist ein Mo-hammedaner unabhängig von seiner Hautfarbe wirklich gleichberechtigt in der islamischen Gesellschaft, im Gegensatz zum Christentum. Ein schwarzer Christ bleibt ein Schwarzer und ist den weißen Christen auch wei-terhin untertan. Auch ist Kismet, das im Islam vor-gezeichnete Schicksal, viel verständlicher und angeneh-mer für das alltägliche Leben als die Sündenpredikten der christlichen Missionare, mit der Aussicht auf end-lose Strafen im Jenseits. Die schwarze Oberschicht, die sich die Vielehe leisten kann, ist unter diesen Umstän-den selbstverständlich dem Islam zugeneigt.