Kategorien
Fliegerei

Die Fliegerei in Südwestafrika hat ihren Ursprung im Kolonialkrieg 1904-06, durch den das Bedürfnis nach Luftaufklärung des Gegners besondere Bedeutung in den riesigen, schwer zugänglichen Weiten des Schutz-gebietes bekommt. Da Deutschland führend in der Ent-wicklung von Luftschiffen ist, sind bereits seit 1908 beim Kommando der Schutztruppen in Berlin Überlegungen im Gang, ob Luftschiffe in Südwestafrika militärisch einsetzbar seien, aber der Kommandeur des Luft-schiffer-Bataillons, Major Hans Groß, muß in einer Stellungnahme im Mai 1908 mitteilen, daß die unge-nügende technische Entwicklung der Motorluftschiffe eine Verwendung in den Kolonien noch keineswegs ratsam erscheinen läßt.

Einen ausführlichen Bericht über die »Einführung von Flugmaschinen« in Südwestafrika erstellt Oberleutnant Eckard Berlin der Schutztruppe in Südwest. Das Doku-ment trägt das Datum 15. November 1911. Berlin schreibt darin, es habe »die Flugmaschine für unsere Kolonie erhöhte Bedeutung und zwar nicht allein in militäri-scher Beziehung, sondern auch für die Verwaltung des Landes und seine weitere Entwicklung.«

Meteorologische Vorarbeiten für das Flugwesen in Süd-west sind von der Schutztruppe bereits ausgeführt worden. Berlins Bericht geht im Dezember 1911 vom Kommando der Schutztruppe für Deutsch Südwestaf-rika an das Reichskolonialamt in Berlin ab.

Unter starker Beteiligung der Militärs wird im Mai 1912 in Keetmanshoop der Deutsch-Südwestafrikanische Luftfahrerverein gegründet und hat bald Ortsgruppen im ganzen Land. Im April 1914 beginnt die Einrichtung von Flugplätzen und in Karibib und Keetmanshoop werden von der Schutztruppe auch Flugzeughallen für die eintreffenden Versuchsflugzeuge errichtet.

Im Mai 1914 treffen aus Deutschland per Schiff zwei Flugzeuge in Südwest ein und Anfang Juni ein weiteres. Die beiden Flugzeuge der National-Flugspende sind hauptsächlich mit Flügen für die Erforschung der Flug-bedingungen unter den Gegebenheiten der Wetter- und Landschaftsbedingungen in Südwestafrika beschäftigt. Mitte Mai beginnen in Swakopmund die ersten Flüge.

Eines der im Mai eingetroffenen Flugzeuge ist ein kom-merzielles Unternehmen, daß von der großen deutschen Textilfirma Rudolf Hertzog und dem Zeitungsverlag Scherl finanziert wird. Rudolf Hertzog ließ seinen Namen für die Werbung für seine Firma unter den Tragflächen des Flugzeuges malen und der Scherl Verlag will in seinen Zeitungen Berichte über die Flüge der Maschine in Afrika bringen. Für den Unterhalt von Flieger und Flugzeug in Afrika bringt das Hert-zog/Scherl-Flugzeug Geld ein mit Eintrittskartenverkauf an den Plätzen, wo die Maschine Schauflüge veran-staltet, mit »Sprungflügen« für 25 Mark, bei denen das Flugzeug mit dem zahlenden Passagier nur einmal kurz abhebt und wieder landet, und mit wirklichen Flügen für 100 Mark, die aber auch kaum mehr als Platzrunden sind. Das Flugzeug der Firmen von August Scherl und Rudolf Hertzog mit dem Piloten Bruno Büchner ist im Mai mit dem Schiff in Swakopmund angekommen, um rechtzeitig von dort zu der seit 1909 alljährlich Ende Mai stattfindenden »Südwestafrikanischen Landesausstel-lung« in Windhuk zu fliegen. Die Maschine fliegt im Mai auch zum ersten Mal Luftpost in Südwest. Aufgrund von technischen Pannen und starken Winden ist Büchner aber gezwungen wiederholt Zwischenlandungen zu machen und so braucht die erste Luftpost wesentlich länger als die Post mit der Bahn.

Ende Mai sind beide Flugzeuge in Südwest bei Schau-flügen zur Landesausstellung in Windhuk und stehen zusammen in einem eigens errichteten Flugzeugschup-pen.

Von Büchner ist geplant von Südwest weiter nach Kap-stadt zu fliegen und dann nach Ostafrika, nach Dares-salam, zur im August stattfindenden Landesausstellung in Deutsch Ostafrika. Büchner macht zunächst ausgie-bige Testflüge, aus denen sich ergibt, daß die geplante Flugreiseroute von Südwest nach Kapstadt und dann weiter nach Daressalam aufgrund der nun in Afrika ge-machten Flugerfahrungen technisch nicht möglich ist. Von der Landesausstellung in Windhuk zieht Büchner mit seinem Flugzeug zunächst weiter mit Schauflügen durch das Land. Er plant nun wenigstens mit dem Flug-zeug bis nach Kapstadt zu kommen und dort die Maschine auf ein Schiff zu verladen für die Weiterreise nach Daressalam. Aber auch dieses Vorhaben scheitert, weil die Briten in Südafrika fürchten, der Deutsche würde mit seinem Flugzeug militärische Einrichtungen beim Fliegen über Südafrika auskundschaften und verwei-gern ihm die Überfluggenehmigung. So legt am 4. Juli ein Dampfer in Lüderitzbucht mit Büchner, seiner Frau und seinem zerlegten Flugzeug nach Daressalam ab, für Flüge zur Landesausstellung in Deutsch Ost-afrika.