Das Gebiet südlich des Tschadsees gehört zwar zur deut-schen Kolonie Kamerun, aber bis 1902 ist noch keine deutsche Regierungsexpedition in das Gebiet vorge-drungen. In dem ganzen Raum weit um den Tschadsee hat sich in Jahrzehnten der Araber Rabeh ein Reich zusammenerobert. Seine Hauptstadt ist Dikoa, welches durch Vertrag zwischen Deutschland und England Deut-schland zugesprochen ist. Es sind aber die Franzosen, die von ihren Kolonien Algerien und Äquatorialafrika aus gegen Rabeh vorgehen. Dabei kämpfen sie auch in englischen und deutschen Gebieten, aber diese beiden Kolonialmächte stehen auf Seiten Frankreichs bei der Niederringung von Rabeh, weil sie so kostenlos ihre Machtbereiche im Gebiet von den Franzosen von der Herrschaft Rabehs befreit bekommen. Die Entschei-dungsschlacht zwischen Rabeh und den Franzosen fin-det am 22. April 1900 bei der Stadt Kusseri auf deut-schem Boden statt. Dabei wird Rabeh getötet und ein senegalesischer Soldat der Franzosen bringt zum Beweis seines Todes seine rechte Hand und seinen abgeschnit-tenen Kopf auf einer Lanze aufgespießt herbei. Auch der französische Oberkommandierende Amédée-François Lamy fällt in der Schlacht und ihm zuehren wird die französische Neugründung gegenüber von Kusseri auf der anderen Flußseite des Logone auf französischem Gebiet Fort Lamy genannt.
Am 21. Oktober 1902 bricht Oberleutnant Hans Dominik zur Erkundung der noch nicht durch ihn und andere deutsche Beamte und Offiziere bereisten und unter deutsche Herrschaft gestellten Gegenden der deut-schen Tschadseeländer auf. Die Expedition hat Geschen-ke und Tauschwaren dabei, um freundschaftliche Bezie-hungen mit den Völkerschaften, die zum Teil noch nie einen Weißen gesehen haben, aufzunehmen. Die Expe-dition besteht außer aus Dominik aus einem weiteren deutschen Offizier, Sergeant Fischer, und an farbigen Kolonialsoldaten sind es acht Reiter, 25 Fußsoldaten und die nötigen Träger. Häufig genug trifft die Expedition auf eine mißtrauische, verängstigte und feindselige Bevöl-kerung, eingeschüchtert durch die Raubzüge und Skla-venjagden der Fulbe und Araber. Oft flüchtet die Bevöl-kerung, so sie kann. Dieser Osten der deutschen Tschad-seeländer ist von unzähligen Wasserläufen, Teichen, Tümpeln und Sümpfen durchzogen, die schließlich in den Tschadsee münden und beherbergt die ganze Fülle der afrikanischen Tierwelt. Antilopen, Gnus, Giraffen, Elefanten, Nashörner und Löwen begegnet Dominik mit seinen Gefährten. Noch vor kurzem sind Sklavenjäger aus dem französischen Gebiet kommend durchgezogen. Man zieht bis zum äußersten Ende des Entenschnabels, einem nach Osten in französisches Kolonialgebiet hi-neinreichendes deutsches Territorium, und dann zu-rück nach Garua. Auf dem Weg nach Garua wird in Kalfu der letzte Widerstand der Fulbe gebrochen. Zu Weihnachten 1902 ist die Expedition zurück. Dominiks Begleiter Fischer ist auf der Expedition am meist tödlich verlaufenden Schwarzwasserfieber erkrankt und stirbt am 13. Januar 1903 in Garua.
Von den Franzosen war im Gebiet von Bornu Chefu Garbai als Sultan eingesetzt worden, der dann in das von den Engländern neugegründete Maiduguri übertritt und von den Deutschen wird für Deutsch Bornu Chefu Omar Sanda als Sultan mit Sitz in Dikoa eingesetzt. Natürlich entfaltet der Sultan seines Standes gemäß alle Pracht des Orients an seinem Hof. Wenn er am Freitag zum Gebet vor die Stadt zieht bietet sich nicht nur dem einfachen Volk, sondern auch den Deutschen vor Ort, ein prachtvolles Bild. Auf einem reich geschmückten Pferd sitzend paradiert seine Repräsentationstruppe am Sultan vorbei. Sein unmittelbares Gefolge waffenstrot-zend, auf prächtigen Pferden, in bunten Gewändern. Dann Musikanten und Kesselpauker zu Pferde, Eunu-chen und ein Zwerg in Soldatentracht. Weiter schreiten riesenhafte Soldaten aus der einstigen Armee Rabehs einher mit Fahnen, auf die Koransprüche genäht sind. Die Reiterei des Sultans ist in prächtige Gewänder gehüllt. Araber zu Fuß und zu Pferd folgen, die Fußleute mit Bogen bewaffnet, die Reiter mit leichten Wurf-speeren und langem Schwert. Auch Kamelreiter sind dabei mit langen Lanzen bewaffnet, am Sattel hängend mächtige viereckige Schilde aus Giraffenleder. Schließ-lich Baghirmi-Leute mit Schwertern in Krokodilhaut-scheiden und mehrzackigen Wurfeisen über der Schul-ter. Die Festtagsrepräsentation demonstriert der stau-nenden Volksmenge aus den verschiedenen Völker-schaften in den Deutschen Tschadseeländern die Macht des Sultans.