Im Herbst 1912 geht der ehemalige Großwildjäger Hans Schomburgk auf Filmexpedition nach Liberia, einem Land in dem auch deutsche Tierfänger für Hagenbeck unterwegs sind, für eine neue Form des Filmens, das Festhalten des ursprünglichen Lebens der Afrikaner vor dem Untergang ihrer Kultur durch die europäische Zivilisation. Da Schomburgk auch eine Einladung der deutschen Kolonialverwaltung in Togo zum Filmen in der Kolonie hat, fährt er von Liberia weiter nach Togo, um auch dort das ursprüngliche Leben der Afrikaner vor dem Untergang ihrer Kultur zu drehen. Auf Ein-ladung des Chefs für den Aufbau der Großfunkstation in Kamina bei Atakpame, Freiherr Anton von Codelli, fährt die Drei-Mann-Filmcrew von Lome die 160 Kilometer lange Strecke zur Baustelle von Kamina mit der Kakao-bahn. Von dort marschiert das Filmteam mit einer Trä-gerkolonne auf der Straße nach Sokode in das Sudan-gebiet, das Steppengebiet der Kolonie. Durch Krankheit in Kamina aufgehalten folgt Schomburgk seinem Film-team erst später nach, auf Codellis Motorrad mit Bei-wagen. Um der Tageshitze zu entgehen fahren Codelli und Schomburgk bei Nacht und wechseln sich bei der anstrengenden Fahrt im flackernden Lichtkegel einer schwachen Karbidlampe am Steuer ab. In Sokode wer-den Sudanpferde gekauft für die Beweglichkeit der Filmcrew in der Savanne. Vom Norden Togos muß Schomburgk dann aber dringend nach Hamburg und London, wegen Problemen mit der Qualität des nach Europa gesandten Filmmaterials und dadurch entste-henden Finanzschwierigkeiten für das Filmunterneh-men.
Abgesehen von seinem völligen Fehlen von Kenntnissen der Arbeit als Kameramann und Regisseur wiederholte Schomburgk auch den Fehler von Schumann von 1908 in Deutsch Ostafrika, die gedrehten Streifen in den Tropen entwickeln zu wollen, statt die unentwickelten Filme nach Europa zur Entwicklung zu versenden. In London schaut er seine Filmversuche an und sie sind sowohl von der technischen Seite des Filmens miß-lungen als auch von der künstlerischen Gestaltung. Von der Filmaufnahmetechnik, von Einstellungen und Szenenlängen hat er noch keine Ahnung. In Europa wird entschieden nicht nur Dokumentarfilme des Lebens der afrikanischen Bevölkerung zu drehen, um die schnell verschwindende Kultur der Einheimischen mit der Filmkamera festzuhalten, sondern in Togo auch einen Spielfilm zu machen, der an der Kinokasse Geld ein-bringt. So nimmt Schomburgk bei der Rückfahrt nach Togo die deutsche Schauspielerin Meg Gehrts mit und einem erfahrenen Kameramann, den Engländer Jimmy Hodson.
Als das Schiff Lome erreicht, weht die gelbe Flagge über der Stadt. An der Küste Togos herrscht Gelbfieber, die tückischste aller tropischen Infektionskrankheiten. Nur wenige der Infizierten überleben die Erkrankung, die durch den Stich einer Mücke verursacht wird. Gegen den Stich der Malaria-Mücke kann man sich mit Chinin schützen, gegen die Mücke, die das Gelbfieber über-trägt, gibt es aber bisher kein vorbeugendes Mittel.
Über die noch nicht wiederhergerichtete Landungs-brücke von Lome – die weit ins Meer vorgetriebene Brücke ist durch eine Orkansee im Mittelteil schwer beschädigt worden, und dort sind die Pfeiler noch nur notdürftig überbrückt (Vollständige Wiedereröffnung am 1. November 1912) – geht es in die Stadt. Die Stim-mung in Lome ist durch die Gelbfieberepidemie ge-drückt. Nichtsdestotrotz beginnt die Filmarbeit. Schom-burgk dreht nun in Togo Reisefilme, völkerkundliche Filme und kurze Spielfilme, darunter die ersten Spiel-filme mit afrikanischen Schauspielern.
Meg Gehrts ist nun die erste weiße Frau, die Togo von Süd nach Nord durchquert. Sie reitet auf einem Bornu-hengst der Karawane der Filmemacher voran und so wird die Blondine auch die erste Filmschauspielerin im Inneren Afrikas, wo sie auf ihrem feurigen Hengst über die flimmernde Steppe vor der Kamera herumjagt.
Im Norden Togos bekommt Schomburgk ein schweres Tropenfieber, aber er hat Glück, der aus Atakpame herangeholte Regierungsarzt schickt ihn nicht nach Europa zur „Genesung“, was im Allgemeinen heißt zum Sterben, und auch der Bezirksamtmann rät ihm jetzt nicht „abzukratzen“, weil er dann nur Scherereien hätte, wie etwa die Herrichtung des Friedhofs für das Be-gräbnis. Schomburgk solle also gefälligst das Sterben unterlassen. Schomburgk hält sich an die Ermahnung des deutschen Beamten und ist zwei Wochen später wieder im Sudan unterwegs. Bald filmt er in Bafilo das Weberhandwerk und die Herstellung von Schmuck-gürteln aus Palmnüssen. Weiter im Norden, in Sansane Mangu, wird von den Polizeisoldaten der deutschen Station dort und von hunderten einheimischen Reitern ein Überfall auf die Station nachgestellt und gefilmt, wie er zu Zeiten der arabischen Sklavenjagden und der Kämpfe der einheimischen Herrscher untereinander üblich war.
Eine Vielzahl von technischen Schwierigkeiten des Fil-mens in den Tropen ist zu überwinden. Ein Problem ist die Sonnenhitze, die die hölzernen Kameraapparate verzieht. Schomburgk: »Selbstverständlich haben wir versucht, unsere Apparate nach Möglichkeit gegen die Sonne zu schützen. Die Sorgen, die wir damit hatten sind überhaupt nicht zu beschreiben. An allen möglichen Stellen sprang in der trockenen Hitze das Holz. Jeden Abend saßen wir vor unserem Zelt und füllten die Sprünge mit Siegellack aus. Am Tage zur Aufnahme wickelten wir mehrere Lagen Bananenblätter um die Apparate. Trotzdem wurde nach kurzer Zeit der Siegel-lack weich und tropfte herunter.«
Um die belichteten Filme ohne Schaden nach Europa zu bringen entwickelt Hans Schomburgk einen besonde-ren Filmkühltransportkasten. So entsteht aus all dem Filmmaterial auch der 75-Minuten-Film Im deutschen Sudan.
Zurück in den Süden von Togo geht es ab Sokode auf einem Lastwagen, der nun einigermaßen regelmäßig die Strecke Sokode-Atakpame abfährt. Von Atakpame, dem Endhaltepunkt der Hinterlandbahn, fahren sie zurück nach Lome, während sie Richtung Norden über die Kakaobahn gekommen waren. Sie haben auf der Bahn-fahrt auch zwei Straußenvögel dabei als Geschenk für den Hamburger Zoo. Im März 1914 kommt das Filmteam wieder in Europa an.