Die landwirtschaftliche Erzeugung der Kolonie liegt fast ausschließlich in den Händen der Einheimischen. Nur drei deutsche Plantagengesellschaften gibt es im Land, 1904, 1907 und 1911 gegründet. Die Pflanzungsgesell-schaft Kpeme (1904) hat ihre Kokospflanzungen bei Kpeme an der Küste. Die Agu-Pflanzungsgesellschaft (1907) hat ihre Pflanzungen am Agu und betreibt als Hauptkulturen Kakao und Baumwolle. Die Togo-Pflanzungsgesellschaft (1911) hat ihren Betrieb nahe der Küste in Kpeme und kultiviert vorherrschend Kokos-palme, Baumwolle und die Sisalagave. 1343 Hektar Land sind 1913 in Togo unter Plantagenkultur.
Die Ausfuhren Togos betreffen die für ein tropisches Land typischen Produkte wie Ölpalmkerne und Palmöl. Diese über See getätigten Ausfuhren belaufen sich bei den Palmkernen im Jahre 1905 auf 2965 Tonnen, 1908 4963 und 1911 13.247, fallen dann aber wegen der geringen Regenfälle des Jahres 1912 auf 7087 Tonnen 1913 ab. Das gleiche ist beim Palmöl zu sehen: 1905 422 Tonnen, 1908 1331, 1911 3965 und 1913 1135 Tonnen. Von der Dürre des Jahres 1912 sind natürlich auch alle anderen landwirtschaftlichen Güter betroffen. In gerin-gen Mengen werden auch Kautschuk, Rohbaumwolle, Erdnüsse und Kopra gewonnen. An Elfenbein wird 1908 noch 5,3 Tonnen exportiert und 1912 2,4 Tonnen. Der Anbau des begehrten Kakao macht Fortschritte. 1904 10,6 Tonnen, 1910 werden 137 Tonnen Kakao ausgeführt, 1912 sind es schon 283 Tonnen und 335 Tonnen im Jahr 1913. Das »Kakaofieber« ist aus der Nachbarkolonie Goldküste herübergekommen. Der Boom beim Anbau von Kakao durch die einheimische Bevölkerung läßt sich aus dem hohen Wert von Kakao erklären. Zum Beispiel wird je nach Qualität 50 bis 60 Goldmark für 50 Kilo Kakao Anfang 1914 am Hamburger Markt erzielt, während beim Anbau von Ölpalmen je nach Qualität in Hamburg zur gleichen Zeit 20 bis 50 Goldmark für 50 Kilo Palmöl gezahlt werden. Allerdings ist der Anbau von Kakao wesentlich schwieriger und anfälliger gegen Schädlinge als der von Ölpalmen. Die togolesischen Bauern sehen jedenfalls ganz genau auf die Preise für ihre Waren auf dem Weltmarkt und bauen ent-sprechend an.
Der für die Forstwirtschaft im Lande zuständige Refe-rent Oskar Metzger hat aber schon 1911 in seiner Schrift Die Forstwirtschaft im Schutzgebiet Togo darauf hinge-wiesen, daß der Kakaoanbau der fruchtbare Waldböden braucht und die Wasserbedingungen des Waldes, Wald in dem waldarmen Land zerstört. Mit der Schutz-waldverordnung von 1912 ist dann die Handhabe für ein übermäßiges ausgreifen des Kakaoanbaus gegeben.
Bei der Baumwolle werden 1904 108 Tonnen ausgeführt und seit 1909 durchschnittlich 500 Tonnen im Jahr. Für die Gewinnung von Baumwolle aus Rohbaumwolle werden von 1906 bis 1908 acht Entkernereien in den Baumwollanbaugebieten aufgebaut, um dadurch die Transportpreise zu senken, was den Anreiz zum Anbau für Baumwolle erhöht und der erste Schritt der Baum-wollverarbeitung gleich im Land fördert auch Handel und Wandel in der Kolonie. 1912 wird von der land-wirtschaftlichen Abteilung des Gouvernements die systematische Saatzucht für Baumwolle in drei Saat-zuchtstationen eingeführt.
Interessant ist die Entwicklung beim Mais. Wird 1906 7439 Tonnen ausgeführt, so 1908 29.989, 1910 3394, 1912 344 aber 1913 wieder 2492 Tonnen. Der Maisanbau liegt vollständig in den Händen der Einheimischen, die sich unmittelbar auf die Ankaufpreise auf den internatio-nalen Märkten für Mais in ihrem Anbau und Verkauf ausrichten. Das ungünstige Verhältnis vom Gewicht zum Wert beim Mais läßt ihn nur bei guten Transport-wegen noch auf dem Weltmarkt verkaufsfähig machen. So erstreckt sich der Anbau von Exportmais hauptsäch-lich an den Gewässern und den Bahnlinien im Süden Togos. Wie die Kokospalme ist auch der Mais erst durch die Portugiesen im 16. Jahrhundert nach Afrika gekom-men und hat in den südlichen Bezirken die einheimi-sche Hirse verdrängt. Die Kokospalme wurde aus Süd-ostasien nach Afrika und die Karibik gebracht und der Mais kam von den Indianern Mittelamerikas durch die Portugiesen und Spanier in die Welt.
Unter »Europäische Unternehmungen« finden wir diese Daten im Deutschen Kolonial-Lexikon: I. Die Pflanzungsgesellschaft Kpeme DKG [DKG = Rechtsform »Deutsche Kolonialgesellschaft« nach dem Schutzge-bietsgesetz in der Fassung von 1900]. Die Haupt-pflanzung befindet sich bei Kpeme (rund 500 ha), ein Vorwerk bei Bagida (rund 166 ha). Es sind angepflanzt 68.000 Kokospalmen und auf 79 ha 119.000 Sisalagaven. Die Gesellschaft betreibt eine Sisallaufbereitungsanlage und eine Baumwollentkernerei. Zur Verschiffung ge-langten im Jahre 1912/13 122 t Kopra und 22,6 t Sisalhanf. — II. Die Agu-Pflanzungsgesellschaft DKG., gründet 1907. Die Hauptpflanzung befindet sich bei Tafië (Besitz rund 212 ha), ein Vorwerk bei Njangbó (Besitz rund 425 ha). Die Gesellschaft betreibt eine Aufbereitungsanlage für Ölpalmprodukte. — III. Die Togo-Pflanzungs-Aktien-gesellschaft, gründet 1911. Grundbesitz rund 7500 ha. Bisher sind bepflanzt 542,9 ha mit Sisal, 6,3 ha mit Manihot und 5 ha mit Kapok. — Außer den vorge-nannten betreibt Kaufmann 0. Wallbrecht in der Nähe von Lome eine kleine Kokospalmen- und Sisal-Agavenpflanzung und Vermessungstechniker Burbulla je eine Kakaopflanzung bei Kpeme und bei Wurupong, beide im Verwaltungsbezirk Misahöhe.
Die Viehzucht beschränkt sich aufgrund der Verbrei-tung der Tsetsefliege auf die Nordbezirke. Nur Kleinvieh kann sich überall halten und so sind Schafe, Ziegen und Schweine überall in der Kolonie vorhanden. Zur Ver- besserung des heimischen kleinen schwarzen Land-schweins hat 1908 die Landeskulturanstalt in Nuatjä Berkshire-Eber aus Deutschland eingeführt. Durch die Kreuzung mit dem heimischen Landschwein ist eine frühreife und mastfähigere Rasse entstanden, deren Ferkel von den Einheimischen der Umgebung zur Verbesserung ihrer Landschweine gekauft werden.
Die Hühnerzucht ist überall im Land hochentwickelt, denn ein Huhn im Topf ist jedermanns anliegen. Nur die Eierlegequalitäten der heimischen Hühner sind nicht besonders. Die Verwaltung hat zunächst die Europäer an der Küste von Togo auf die Möglichkeiten der Hühner-zucht aufmerksam gemacht. So gründet sich 1908 in Lome ein Hühnerzüchterverein und erzielt mit aus Deutschland importierten hochgezüchteten Rassen gute Erfolge. Die eingeführten Hühner sind gute Legehennen und die schnell mit den heimischen Hühnern ent-standenen Kreuzungen ergeben ein wesentlich verbes-sertes Landhuhn für die schwarze Bevölkerung.
Im ganzen Land gibt es nur die nur wenig ertragreiche Hackkultur. Selbst in den Gegenden mit Viehzucht gibt es keinen Pflug. So wird 1906 von der Ackerbauschule in Nuatjä eine Anzahl der alljährlich eingestellten jungen Eingeborenen aus den viehreichen Bezirken für den dreijährigen Lehrgang auch in der Handhabung des Pflugs ausgebildet. Nach dem Lehrgang werden sie in verschiedenen Bezirken angesiedelt und bekommen Ackerland, Pflug und Zugvieh gestellt, aber sie kehren schnell zum Hackbau zurück. Das Vieh wird von den Einheimischen nicht als Zugtier verwendet und so ist die Abrichtung von Zugtieren unbekannt. So ist der Versuch der Einführung der Pflugkultur vorerst gescheitert.
Die Jagd spielt für die Ernährung der einheimischen Bevölkerung keine große Rolle. Im Süden von Togo ist der Wildbestand aufgrund der hohen Besiedlungsdichte sowieso gering; im dünn besiedelten Norden, wo sich das typische afrikanische Wild wie Affen, Löwen, Leo-parden, Geparden, Hyänen, Büffel, Antilopen, Elefanten, Flußpferde und Krokodile befindet, wird wesentlich mehr gejagt. Einerseits die Pürschjagd auf Antilopen, Büffel und Elefanten, zum anderen die den Wildbestand gefährdende Treibjagd in Verbindung mit Grasbränden. In der Trockenzeit, wenn das Steppengras vollständig vertrocknet ist, meist Mitte Januar, versammeln sich die waffenfähigen Männer und die Jugendlichen einer Ort- schaft oder einer Gegend und ziehen in die unbewohnte Steppe, wo sie eine große Fläche im weiten Kreis herum anzünden und das Feuer Richtung des Inneren der Fläche brennen lassen, wo sich die flüchtenden Tiere versammeln, bis sie aus der Enge ausbrechen und dabei von der Schützenkette beschossen werden. Es wird alles geschossen, einschließlich der trächtigen Tiere und Muttertiere und ihre Jungtiere.
Bei einigen Stämmen werden auch lange Netze bei der Treibjagd verwendet.
Wurde früher nur mit Speer und Pfeil und Bogen gejagt, so wird jetzt mehr und mehr mit der Dänenflinte auf Jagd gegangen. Dieses den Eingeborenen erlaubte primi-tive Gewehr ist immerhin treffsicherer als die ursprüng-lichen Jagdwaffen der Schwarzen. Im Süden beherr-schen oft nur noch alte Leute den Umgang mit den traditionellen Waffen und auch im Norden hält das Gewehr mehr und mehr Einzug. Jährlich werden um die 10.000 Dänenflinten nach Togo eingeführt, aber 1910 sind es schon 17.000. Mit der Steigerung des Verkaufs der Gewehre geht die Verminderung des Wildbestandes Hand in Hand. Die Verwaltung kann sich aber trotzdem nicht zu einer Einschränkung des Verkaufs der Gewehre entschließen, um keinen Unmut in der Bevölkerung zu erzeugen und sie will außerdem nicht dem Waffen-schmuggel über die langen kaum zu kontrollierenden Grenzen des Landes Vorschub leisten. Auch andere Maßnahmen der Jagdeinschränkung werden erwogen, aber für nicht sinnvoll erachtet, bis in zukünftiger Zeit durch eine allgemeine Hebung der Bildung der Bevöl-kerung ein Verständnis für Jagdeinschränkungen zum Schutz der Tierwelt vorhanden ist.
Was aber vom Gouvernement getan wird ist die Ein-richtung von Wildreservaten in unbewohnten Gegen-den mit der »Verordnung über die Anlage von Wildschongebieten« vom 26. Juli 1913. Bereits im Juli werden die ersten beiden Schongebiete erklärt und im Mai 1914 wird auch die große Aufforstung in der Landschaft Nuatjä zum Wildschongebiet.