Die über 14.000 Seemeilen lange Fahrt vom Kriegshafen Wilhelmshaven nach Tsingtau können die Schiffe der deutschen Flotte nur durch mehrfaches Kohlen bewäl-tigen. Ein Kreuzer oder Schlachtschiff kann bestenfalls 5000 Meilen mit einer Kohlenladung schaffen. Die Schwierigkeiten der Versorgung der Schiffe mit Kohlen für ihre Dampfmaschinen auf der Strecke Deutschland-China bringt die Abhängigkeit von englischen Basen und deren Lieferungen von Kohle für die deutsche Flotte dem Admiralstab schmerzlich ins Bewußtsein. So sieht sich die deutsche Admiralität nach einer Lösung für das Problem um und findet die Farasaninseln im Roten Meer als günstige Kohlenstation und die Insel Langkawi vor der malayischen Halbinsel. Die Farasan-inseln gehören zum Osmanischen Reich, aber ohne Rücksprache mit der deutschen Regierung, und ohne die Regierung in Konstantinopel zu informieren, landet, unter dem Vorwand einer Havarie, der von der Marine gecharterte Dampfer Marie in der Tibtabucht auf den Farasans im Oktober 1899 Kohlen an. Die Marie bleibt als Stützpunktschiff vor Ort und so entsteht ein be-wachtes Kohlenlager der deutschen Kriegsmarine in der Tibtabucht. Der Admiralstab schafft Tatsachen, um die deutsche Regierung zu einer Pachtung der Inseln vom Osmanischen Reich zu zwingen. Mehrere deutsche Kriegsschiffe werden zu den Farasaninseln geschickt, um Land und Leute, die navigatorischen Besonder-heiten und den strategischen Wert der Inselgruppe für die deutsche Kriegsmarine zu erkunden. Freundschaft-liche Verbindungen zum Kommandanten und den Offizieren der etwa 400 Mann türkischen Truppen auf den Inseln und zum höchsten Zivilbeamten der Inseln, einem Araber im Dorfe Farsan, werden von den deut-schen Offizieren aufgenommen. Eine strategische Ein-schätzung von 1901 der Inseln als deutsche Kohlen-station kommt zu dem Schluß, daß die Inseln nur wenn England in einem Kriegsfall neutral bleibt nützlich sind, bei Englands Gegnerschaft aber die Inseln für die Kriegsmarine wertlos sind. Die türkische Regierung versucht die Pachtung abzuwenden, da sie befürchtet, daß dann auch andere Mächte Forderungen nach Marinestationen stellen werden. Aber schließlich kommt die zuständige Politik in Deutschland – die Staatssekretäre des Auswärtigen Amtes und des Reichsmarineamtes – überein das Farasanprojekt des Admiralstabes aufzugeben. Der Admiralstab versucht noch durch eine Intervention beim Kaiser den Erwerb der Inseln durchzusetzen, aber am 24. Oktober 1902 teilt der deutsche Botschafter in Konstantinopel dem Sultan den deutschen Verzicht auf die Farasaninseln mit. In der ganzen Zeit des Bestehens der Kohlenstation in der Tibtabucht hat kein einziges deutsches Kriegsschiff dort Kohlen übernommen.
Im Zusammenhang mit dem Versuch, die Farasaninseln zu gewinnen, steht der Versuch als zweite Kohlenstation auf dem Seeweg zwischen Deutschland und China eine Insel in Hinterindien zu erhalten. Tirpitz sagte, daß der Erwerb der Insel Langkawi vor Malaya „äußerst wünschenswert“ sei, weil sich die Insel „als Glied einer in ferner Zukunft noch auszubauenden Kette von Etappenpunkten nach Ostasien und als Anlandestelle eines dieser Etappenstraßen dereinst folgenden ost-asiatischen Kabels… günstig einfüge.“ Also nicht nur als Versorgungsstützpunkte der Marine, sondern auch als auch Signalverstärkerstationen für deutsche Seekabel sollen diese Stützpunkte dienen.
Durch die deutsche Firma Behn, Meyer & Co in Singapur will die Marine um 1900 die Insel Langkawi vor der Küste von Malaya vom Sultan von Kedah für 50 Jahre pachten. Der jüngere Bruder des Sultans hat enorme Schulden aufgehäuft und die Verpachtung der Insel würde die schlimmsten Geldnöte beseitigen, aber die englische Regierung interveniert durch den geheimen britisch-siamesischen Vertrag von 1897, der Englands Zustimmung bei der Gewährung von Rechten durch Siam an dritte Mächte fordert, und das der Regierung in Bangkok unterstehende Sultanat Kedah wird gezwun-gen Langkawi nicht an das Deutsche Reich zu ver-pachten. Die deutsche Seite weiß nichts von dem englisch-siamesischen Geheimvertrag und versucht wenigstens einen Pachtvertrag über 20 Jahre auszu-handeln, aber natürlich ebenfalls vergebens.
So scheitert der Versuch der Marine, durch den Erwerb von zwei Stützpunkten auf dem Seeweg zwischen Deutschland und Ostasien, der wichtigsten deutschen Auslandsmarinestation, bei der Kohlenversorgung für den Antrieb ihrer Schiffe unabhängig von englischen Marinestützpunkten zu werden.