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Kolonialschulen und Kolonialinstitute

Es herrscht in den Kolonien ein großer Mangel an weißen Frauen, da fast nur Männer als Siedler, Händler, Beamte, Missionare, Soldaten in die Kolonien gehen. Da Frauen auch keinerlei Ausbildung für ein Leben in den Überseegebieten haben entstehen ein paar Kolonial-schulen für Frauen im Reich.

1908 wird innerhalb der 1898 gegründeten »Deutschen Kolonialschule für Landwirtschaft, Handel und Ge-werbe« in Witzenhausen in Nordhessen eine Kolonial-frauenschule gegründet. Die Schule wird 1911 wieder geschlossen aber dafür wird auch 1911 in Weilbach in Südhessen eine »Kolonialfrauenschule« der vorhande-nen Schule des »Reifensteiner Vereins für Wirtschaft-liche Frauenschulen auf dem Land« angegliedert, in die nur »Töchter aus gebildeten deutschen Familien« aufgenommen werden. Der Ausbildungsplan umfaßt in einem eineinhalbjährigen Unterricht die Fächer: Ein-fache Küche, Backen von Schwarz/Weißbrot und Ku-chen, Zerlegen, Verwerten, Aufbewahren von Fleisch, Pökeln, Räuchern, Wurst-bereitung, Konservieren von Gemüse und Obst in Gläsern und Büchsen auf verschie-dene Art, Obstweinbereitung, Waschen und Plätten, Reinigen der Zimmer, Küche und Gerätschaften, Lam-penputzen, Metallputzen, Ausbessern von Wäsche und Kleidern, Weißnähen, Schneidern, allerlei in den Haus-haltungen der Kolonien notwendige Handfertigkeiten wie kleinere Reparaturen, Löten, Anstreichen, Polstern, Lederarbeiten, Pflege von Hühnerhof, Gemüse- und Obstgärten, Bienenzucht, Milchverarbeitung, Viehhal-tung und sonstige landwirtschaftliche Arbeiten, Grund-züge der praktischen Buchführung, Kolonialgeographie und Kolonialgeschichte, koloniale Lektüre, Wirtschafts-lehre, Kranken-, Wochenbett-, Säuglings- und Kinder-pflege sowie Arzneikunde. 

Zu den Reifensteiner Schulen gehört auch die Lehrfarm Brakwater bei Windhuk in Deutsch Südwestafrika. Deren Besitzerin, Helene von Falkenhausen, hatte be-reits 1908/09 die Kolonialfrauenschule der Deutschen Kolonialschule in Witzenhausen geleitet. Frau von Falkenhausen hatte auch von 1894 bis 1904 in Südwestafrika gelebt, aber als ihr Mann gleich zu Beginn des Aufstandes der Herero im Januar 1904 ermordet wird ist sie nach Deutschland zurückgegangen. 1909 geht sie wieder nach Südwest, pachtet die Farm Brakwater und führt sie als Lehrfarm für Frauen aus Deutschland.

Eine weitere Kolonialschule für Frauen ist die »Kolonial-Haushaltungsschule« zu Carthaus bei Trier, die von den Franziskanerinnen von Nonnenwerth geleitet wird.